Skin IQ™ MIKROKLIMA Manager (Deutsch)
Complex wounds, Pressure ulcers, Skin integrity | Clark M, Black J.
Dieser Artikel erklärt den Einfluss der Mikroklimaregulierung bei der Dekubitusprohylaxe und -behandlung. Schwerpunkt sind die Technologie und Wirkweise des neuen Mikroklimatherapiesystems – dem Skin IQ™ von KCI. Seit vielen Jahren haben sich Produkte zurDekubitusprophylaxe auf die Reduktion der mechanischen Belastung der Haut konzentriert. Inzwischen ist man sich in Fachkreisen einig, dass man bei der Produktauswahl darüber hinaus berücksichtigen sollte, wie gut das System in der Lage ist übermäßige Hautfeuchtigkeit abzutransportieren und damit die Bedingungen an der Schnittstelle zwischen Haut und Unterlage zu kontrollieren (Mikroklima).
Was ist Mikroklima?
In Bezug auf die Dekubitusentstehung war das Mirkoklima der Haut ursprünglich ein Begriff, der zur Beschreibung von drei Faktoren an der Schnittstelle zwischen Haut und Unterlage verwendet wurde: Hauttemperatur, Feuchtigkeit und Luftbewegung[1]. Bereits in frühen Publikationen zu Dekubitus wurde festgestellt, dass die Erhaltung eines günstigen Mikroklimas für die Fähigkeit der Haut längeren Beanspruchungen zu widerstehen eine Schlüsselrolle spielt (d. h. Druck-, Scher- und Reibungskräften). Dieses Konzept wurde seit den 1970er Jahren allerdings weitestgehend übersehen[2].
In den letzten Jahren wird dem Mikroklima mehr und mehr Bedeutung beigemessen, allerdings werden mit dem Begriff Mikroklima im wesentlichen nur noch zwei Parameter beschrieben, dies sind die Temperatur (der Haut und Weichteile), sowie die Feuchtigkeit der Hautoberfläche an der Schnittstelle zwischen Haut und Unterlage[3,4]. Der Begriff der Luftbewegung ist in neueren Definitionen nicht mehr enthalten, da die Luftbewegung ihrerseits Hauttemperatur sowie lokale Feuchte oder Hautfeuchtigkeit beeinflusst.
Damit Anwendern und medizinisches Fachpersonal den Zustand Ihrer Patienten einschätzen können und die Notwendigkeit einer spezielle Unterlagen erkennen müssen Sie alle Faktoren kennen, die das Mikroklima beeinflussen[2]. In Kasten 1 werden die Definitionen der einzelnen Parameter nochmals kurz zusammengefasst.

Warum ist Mikroklima wichtig?
Eine erfolgreiche Dekubitusprophylaxe hängt von einem Gleichgewicht zwischen zwei Parametern ab - der extern auf die Haut und Weichteile gebrachte Druck und der intrinsischen Fähigkeit von Haut und Weichteilen, längerer oder exzessiver Belastung standzuhalten. Nimmt die Belastung zu und/oder die intrinsische Widerstandskraft von Haut und Weichteilen verschlechtert sich, wird das Gleichgewicht gekippt und Druckschäden sind wahrscheinlicher (Abbildung 1).
Dieses Konzept wird auch in Abbildung 2 dargestellt. Es handelt sich um eine Modifikation der Reswick-Rogers-Kurve, die den Zusammenhang zwischen Druck und Zeit beschreibt[4]. Der Bereich oberhalb der blauen Linie zeigt den Druck und die Dauer[4] der Anwendung an, bei denen es wahrscheinlich zu einem Druckschaden kommt. Wenn die Widerstandskraft von Haut und Weichteilen jedoch beeinträchtigt wird, verschiebt sich die Kurve nach links und unten (rote Linie), was zeigt, dass in diesen Fällen ein geringerer Druck auch zu Schäden führen kann.
Wie unten erläutert, können Veränderungen an der Schnittstelle Haut/Unterlage die Fähigkeit des Körpers beeinflussen, den Auswirkungen externer Faktoren wie Druck standzuhalten. In Folge dessen können Veränderungen des Mikroklimas die Gewebetoleranz verändern und die Entstehung von Druckgeschwüren mehr oder weniger wahrscheinlich machenmachen, je nachdem, welche Temperatur- und Feuchtigkeitsveränderungen eingetreten sind.
Schwerpunkt Temperatur
Eine erhöhte Temperatur kann einen Dekubitus begünstigen, da höhere Temperaturen den Stoffwechselbedarf erhöhen, was die Anfälligkeit des Gewebes für die ischämischen Wirkungen von Druck und Scherkräften erhöht (Abbildung 3). Mit steigender Körpertemperatur erhöht sich auch der Bedarf des Gewebes an Sauerstoff und Energie. Es wurde geschätzt, dass eine Erhöhung der Körpertemperatur um 1oC den Stoffwechselbedarf um ca. 10% erhöht[9]. Wenn die Durchblutung von Haut, subkutanen Geweben und Muskeln bereits beeinträchtigt ist, kann jede erhöhte Stoffwechselaktivität schneller und bei einem niedrigerem Niveau von Druck/Scherkräften zu Ischämien und nachfolgenden Gewebeschäden führen als bei normaler Körpertemperatur[10].
Auch wenn die Erhöhung der Stoffwechselaktivität aus einer erhöhten Körpertemperatur resultiert, wurde gemutmaßt, dass Erhöhungen der Hauttemperatur auch zu Haut- und Weichteilschädigungen führen können, möglicherweise durch Schwächung der Epidermis[2]. Außerdem induziert eine erhöhte Körper-/Hauttemperatur oft Schwitzen, was, im Folgenden erläutert wird unten erläutert, das Risiko für Druckschäden weiter erhöhen kann.

Schwerpunkt Feuchtigkeit
Übermäßige Hautfeuchtigkeit
Es wird angenommen, dass eine übermäßige Hautfeuchtigkeit das Risiko für die Entstehung von Druckgeschwüren durch die Schwächung der Haut erhöhen kann. Feuchtigkeit schwächt die Vernetzungen zwischen den Kollagenfasern in der Dermis und weicht das Stratum corneum auf[11]. In Folge dessen können übermäßige Hautfeuchtigkeit und eine hohe relative Feuchte bedeuten, dass die Haut aufgeweicht wird. Dadurch reduziert sich die Glätte der Haut, wodurch sich der Reibungskoeffizient erhöht und die Wahrscheinlichkeit von Schäden durch Scherkräfte und Reibung steigt[2] (Abbildung 3).
Ursachen für übermäßige Feuchtigkeit
Im Krankenhaus ist es in der Praxis üblich, Patienten „umzudrehen" nicht selten wird dabei festgestellt , dass Haut und Bettwäsche feucht sind. Grund hierfür ist die Stauhitze, die an der Kontaktfläche zwischen Unterlage und Körper auftritt, da der Körper versucht Rücken, Gesäß und Beine zu kühlen. Eine übermäßige Hautfeuchtigkeit resultiert aus einer Vielzahl von Ursachen. Ein besonders hohes Risiko tragen Patienten mit Inkontinenz, Fieber, schwereren Verletzungen des Zentralnervensystems, Überlastung des sympathischen Nervensystems, oder Patienten mit hohem Übergewicht oder Hautfalten, die schwer trocken zu halten sind.
Patienten mit Fieber transpirieren, um den Körper zu kühlen. Ist der Patient allerdings immobil, kann die Haut, die sich im Kontakt mit dem Bett befindet, übermäßig feucht werden.
Bei Patienten mit Verletzungen des Zentralnervensystems kann es zu einer Überaktivität des sympathischen Nervensystems kommen. Das sympathische Nervensystem ist für die Fight-or-flight-Reaktion zuständig und die beteiligten Reflexe können ein übermäßiges Schwitzen. Bei Patienten auf der Intensivstation kann es außerdem zu einer Überstimulation des sympathischen Nervensystems kommen, das Gleiche gilt für dyspnoeische Patienten, die als Reaktion auf den Stress der Atemschwierigkeiten stark schwitzen.
Extrem adipöse Patienten schwitzen oft, wenn der Körper versucht, die Temperatur zu regulieren. Wenn diese Patienten die Breite eines Bettes füllen, wird die Eigenmobilisation des Patienten schwierig wodurch der Patient vermehrt schwitzen kann und eine ausreichende Verdunstung und damit Oberflächenkühlung nicht gewährleistet ist.
Übermäßige Trockenheit
Übermäßige Trockenheit der Haut stellt ebenfalls eine Herausforderung für die Gewebeintegrität dar. Bei trockener Haut sind Lipidspiegel, Wassergehalt, Flexibilität und die Integrität der Übergänge zwischen Dermis und Epidermis erniedrigt[2]. Trockene Haut ist daher geschwächt und anfälliger gegenüber Schäden durch Druck, Scherkräfte und Reibung (Abbildung 3).
Daher sollte das Management des Mikroklimas die Beobachtung der Hauttemperatur beinhalten. Und z.B. bei erhöhter Temperatur mit entsprechenden Maßnahmen den Erhalt einer Hautfeuchtigkeit im physiologischen Bereich bei gleichzeitiger Reduktion der Hauttemperatur unterstützen.


