Made EasysSilvercel Non-Adherent Made Easy (German edition)

Silvercel Non-Adherent Made Easy (German edition)

Complex wounds, Infection

Silvercel Non-Adherent Made Easy (German edition)German edition of the Silvercel Non-Adherent Made Easy document.

Autoren:  R. Clark, S. Bradbury
Einleitung
Dieser Artikel beschreibt detailliert die Zusammensetzung und den Wirkmechanismus, liefert unterstützende Beweise und beschreibt die praktische Anwendung der antimikrobiellen Wundauflage SILVERCEL® Non-Adherent mit Silber. Diese Wundauflage wurde mit dem Ziel entwickelt, mögliche durch Anhaftung und Faserrückstände verursachte Probleme, die man mit der ersten Generation fibröser Wundauflagen assoziierte, auszuschließen[1,2] und gleichzeitig die Heilung einer Wundinfektion zu unterstützen. Mit einer immer größer werdenden Auswahl an Wundauflagen mit Silber ist es besonders wichtig, dass Ärzte den Unterschied zwischen den verschiedenen Wundauflagen kennen und wissen, wie und wann sie diese Wundauflagen anwenden können, um ein wirksames und effektives Wundmanagement infizierter und sich möglicherweise infizierender Wunden zu erreichen.

Was ist SILVERCEL Non-Adherent?
SILVERCEL Non-Adherent ist eine sterile und absorbierende antimikrobielle Wundauflage zur Anwendung bei moderat bis stark exsudierenden Wunden und bei infizierten Wunden oder solchen mit einem erhöhten Infektionsrisiko. Die Wundauflage wurde entwickelt, um Wundexsudat zu absorbieren und enthält mit Silber beschichtete Fasern (X-STATIC®), die ein breites antimikrobielles Wirkspektrum aufweisen[3]. Auf der Außenseite der Wundauflage befindet sich eine optimal perforierte Wundkontaktschicht, die ein Anhaften der Wundauflage auf der Wunde und das Zurücklassen von Fasern verhindern soll4. Diese nichthaftende Eigenschaft kann helfen, Schmerzen beim Verbandwechsel5 und die damit einhergehenden Beschwerden und Ängste beim Patienten zu reduzieren.

SILVERCEL Non-Adherent gehört zur nächsten Generation von Produkten, die eng mit der Silber enthaltenden Alginatauflage SILVERCEL verwandt ist. Der Unterschied gegenüber SILVERCEL ist die äußere Filmschicht von SIVERCEL Non-Adherent, die aus Ethyl-Methyl-Acrylat (EMA) besteht und bei der die EasyLIFTTM Precision Film-Technologie zum Einsatz kommt.


Warum sind nicht-haftende Wundauflagen und ein minimaler Faserverlust so wichtig?
Ausgetrocknete und an der Wunde haftende Verbände sind die Hauptfaktoren, die zu einem schmerzhaften Verbandwechsel führen[6].
In einer Umfrage unter 2018 Patienten gaben 40,3 % an, dass die Schmerzen beim Verbandwechsel der schlimmste Teil einer Wunde sind[7].

Das Entfernen einer am Gewebe haftenden Wundauflage verursacht nicht nur Schmerzen, sondern kann auch das Wundbett oder die umgebende Haut schädigen und dadurch einen nachteiligen Effekt auf den Heilungsprozess haben8. Haftende Wundauflagen können auch dazu führen, dass der Arzt mehr Zeit aufwenden muss und mehr Ressourcen gebunden werden.

Seit langem schon ist bekannt, dass sich die in Wundauflagen enthaltenen Fasern in der Wunde absetzen können. Retinierte Fasern der Wundauflage erwiesen sich als entzündungsfördernd, da sie eine Fremdkörperreaktion innerhalb des Wundgewebes auslösen und dadurch das Entzündungsstadium der Wundheilung aufrechterhalten[2,9,10].


Wie wird SILVERCEL Non-Adherent hergestellt?
Die Produktion des absorbierenden, antimikrobiellen Kerns der Wundauflage basiert auf dem Herstellungsverfahren von Alginatfasern. Zur kurzen Erklärung: Eine Lösung aus Alginat wird unter Druck durch eine schmale Öffnung in ein Bad mit Calciumionen gepresst, in dem die Fasern geformt werden[11]. Das im Bad enthaltene Calcium vernetzt das Alginat mit den Polymersträngen, wodurch die Löslichkeit der Fasern im Wasser reduziert wird. Während des Prozesses wird Carboxymethylcellulose (CMC) dazugegeben, um die Absorptionsfähigkeit der Alginatfasern zu steigern.

Die Alginat- und CMC-Fasern werden versponnen und dann mit Silber überzogenen Fasern gemischt. Diese Prozesse werden auch als Kardieren und Vernadelung bezeichnet: Beim Kardieren entsteht ein Netz aus Fasern, das zu einem Filz geformt wird. Die Vernadelung verleiht der Wundauflage eine einheitliche Struktur[11]. Zum
Schluss erhält die aus Alginat- und CMC- sowie aus mit Silber überzogenen Fasern bestehende, nicht-gewebte Wundauflage auf beiden Seiten eine Schicht aus perforiertem EasyLIFTTM Precision Film (EMA). Dieses „Sandwich"-Gewebe wird anschließend Hitze und Druck ausgesetzt. Während dieses Beschichtungsprozesses schmilzt der Film und verteilt sich auf die äußeren Schichten der mit Alginat/CMC und Silber beschichteten Fasern und formt eine irreversible Verbindung, die zur Integrität der Wundauflage beiträgt. Sobald das Gewebe abgekühlt ist, wird es auf die Größe einer Wundauflage von SILVERCEL Non-Adherent geschnitten und verpackt. Die sterile, nicht-gewebte Wundauflage wird entweder als flache Kompresse oder als Schlauchverband (Tamponade) geliefert.


Aus was besteht SILVERCEL Non-Adherent?
Die Bestandteile von SILVERCEL Non-Adherent sind in Tabelle 1 aufgelistet.


Hohes G-Calciumalginat
Alginate werden aus Algen gewonnen und enthalten große, hydrophile Moleküle
(d. h. sie neigen dazu Wasser zu binden)[11]. Alginatmoleküle selbst haben keine antimikrobiellen Eigenschaften, lassen sich aber leicht mit antimikrobiellen Substanzen, wie zum Beispiel Silber verbinden.

Calciumalginate werden sehr häufig für Wundauflagen verwendet und verfügen über die unterschiedlichen Eigenschaften der Mannuronsäure (Typ M) und Guluronsäure (Typ G). Sind sie Flüssigkeit ausgesetzt, wie
z. B. Wundexsudat, werden die Calciumionen gegen Natriumionen ausgetauscht, und das Alginat kann nun Wasser absorbieren. Der Austausch von Ionen (und somit auch die Wasserabsorptionsrate) erfolgt bei Alginaten des Typ M (das ein weiches, leicht trennbares Gel bildet) sehr rasch, bei Alginaten des Typ G (das seine strukturelle Integrität beibehält) jedoch viel langsamer.

SILVERCEL Non-Adherent enthält einen großen Anteil an Alginaten vom Typ G und ist somit fähig, Exsudat zu absorbieren und gleichzeitig seine strukturelle Integrität beizubehalten.

Carboxymethylcellulose (CMC)
CMC ist ein Cellulosederivat und ein Superabsorber-Polymer12. CMC wird SILVERCEL Non-Adherent beigefügt, um die Absorptionskapazität des Kerns der Wundauflage zu erhöhen.

Silber überzogene Fasern

Die mit Silber überzogenen Fasern enthalten elementares Silber. Kommt Silber in Kontakt mit Sauerstoff, wird das elementare Silber zu Silberoxid umgewandelt. Wird Silberoxid in Flüssigkeit gelöst (z. B. in Wundexsudat), dissoziiert es in seine einzelnen Bestandteile und setzt positive Silberionen (Ag+) frei (auch ionisches Silber genannt). Nur die Silberionen haben eine antimikrobielle Wirkung[13].

EasyLIFTTM Precision Film (EMA)
EMA ist ein synthetisches Polymer, das seit Langem schon als nicht-haftende Wundkontaktschicht verwendet wird[14]. Als Film (EasyLIFTTMPrecision Film) ist das Polymer dünn, flexibel, strapazierfähig und hat eine weiche Oberfläche. Labortests haben gezeigt, dass die Oberfläche des Films eine geringe Tendenz aufweist, mit anderen Oberflächen zu verkleben[15].

Der Film ist perforiert, um die Absorption von Flüssigkeit in den inneren Kern der Wundauflage zu ermöglichen. Die Löcher sind gleichmäßig groß und so verteilt, dass sie eine optimale Flüssigkeitsabsorption erlauben. Gleichzeitig bleibt ein ausreichender Film erhalten, um eine geringe Anhaftung zu gewährleisten und die Möglichkeit, dass Alginat-/CMC-Fasern und Silber überzogene Fasern durch diese Löcher auf die Wundoberfläche gelangen, zu begrenzen[4] (Abbildung 1).

Wie wirkt die antimikrobielle Wundauflage SILVERCEL Non-Adherent?
Trotz der weitverbreiteten Anwendung von Silber als antimikrobielle Substanz ist der genaue Wirkmechanismus noch nicht vollständig untersucht16. Vermutlich wirken Silberionen an vielen Stellen innerhalb einer bakteriellen Zelle, indem sie sich an negativ geladene Zellbestandteile wie z. B. die Zellwand, DNA und RNA binden. Dies stört die Funktionen dieser Zellelemente und führt zu einer Zelllyse sowie zur Beeinträchtigung des Elektronentransports, der Enzymfunktion und der Zellteilung[3].

Die antimikrobielle Eigenschaft von SILVERCEL Non-Adherent beruht auf der Absorption von Wundexsudat in die Wundauflage und der Verfügbarkeit positiver Silberionen. Die absorbierenden Eigenschaften der Wundauflage17,18 unterstützten die Behandlung infizierter Wunden, die häufig mit einer erhöhten Exsudatproduktion einhergehen, und erhalten gleichzeitig das feuchte Wundmilieu, das zur Wundheilung beiträgt und die umgebende Haut vor möglichen schädigenden Effekten des Exsudats schützt[19].

Laboruntersuchungen deuten darauf hin, dass SILVERCEL Non-Adherent gegen viele häufige Wundpathogene, einschließlich Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA), Methicillin-resistenter Staphylococcus epidermidis (MRSE) und Vancomycin-resistenter Enterococcus (VRE) wirksam ist. Des Weiteren wurde nachgewiesen, dass es Biofilmen vorbeugt und sie zerstört[20,21].


In vitro-Beurteilungen haben belegt, dass die Freisetzung von Silberionen aus SILVERCEL Non-Adherent bis zu sieben Tage anhält, auch wenn die Wunde ein hohes Maß an Flüssigkeit abgibt (nachgeahmtes Wundexsudat)[17]. Dies ist wahrscheinlich ein längerer Zeitraum als die tatsächliche Tragedauer einer Wundauflage auf der entzündeten Wunde. Dies zeigt aber, dass die Wundauflage bis zu einer Woche in situ verbleiben kann und dabei ihre antimikrobielle Wirksamkeit behält.