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PROMOGRAN® & PROMOGRAN Prisma® Einfach erklärt

Complex wounds, Infection | Cullen B, Ivins N.

PROMOGRAN® &  PROMOGRAN  Prisma® Einfach erklärtDieser Artikel beschreibt detailliert die Zusammensetzung, den Wirkmechanismus, die Evidenzbasis und die praktische Anwendung einer Generation fortschrittlicher topischer Wundauflagen, die Kollagen und oxidierte regenerierte Cellulose enthalten. Diese Produkte wurden mit dem Ziel entwickelt, den Wundzustand von nicht heilend in heilend zu versetzten. Es ist wichtig, dass die Anwender wissen, wie und wann diese Produkte eingesetzt werden, um ein wirksames und effektives Wundmanagement zu erreichen.

Was ist PROMOGRAN®?
Die proteasemodulierende Matrix von PROMOGRAN® ist eine moderne topische Behandlungsmöglichkeit für chronische Wunden, mit dem Potenzial, das Wundmilieu in einer positiven Weise zu verändern und damit die Heilung zu beschleunigen. Dies hilft den Behandlungserfolg von Patienten mit stagnierenden oder schwer heilenden Wunden zu verbessern[1-3].

PROMOGRAN® ist eine absorbierende, offenporige, sterile, gefriergetrocknete Matrix, die zu 55 % aus Kollagen und zu 45 % aus oxidierter regenerierter Cellulose (ORC) besteht. Beides sind natürliche Materialien, die nach dem Auftragen auf die Wunde schnell abgebaut oder resorbiert werden.

Kommt die Kollagen-/ORC-Matrix in der Wunde in Kontakt mit Flüssigkeit/ Exsudat, absorbiert es die Flüssigkeit und bildet ein weiches Gel. Dies ermöglicht der Wundauflage sich der Form der Wunde anzupassen und auf der gesamten Wundfläche aufzuliegen. Physikalisch bindet sich das Gel an schädliche Proteasen und inaktiviert auf diese Weise sowohl die in der Wunde vorkommenden Matrixmetalloproteasen (MMP) als auch Elastasen. Außerdem bindet es sich an natürlich vorkommende Wachstumsfaktoren und verhindert deren Abbau durch schädliche Proteasen. Beim langsamen Abbau der Matrix, wird die aktive Form der Wachstumsfaktoren erneut in die Wunde abgegeben, während die schädlichen Proteasen weiterhin inaktiv bleiben[4].


Was ist PROMOGRAN PRISMA®?
PROMOGRAN PRISMA® wundausgleichende Matrix ist eine Variante von PROMOGRAN®, die Silber enthält. Silber schützt vor Bakterien und unterstützt dadurch das Fortschreiten des Heilungsprozesses. Auch wenn die Theorie der Kombination dieser Materialien sehr einfach ist, so war es in der Praxis äußerst schwierig, die optimale Konzentration an Silber zu erreichen, um eine negative Wirkung auf das Zellwachstum zu vermeiden. Untersuchungen im Labor zeigten, dass zu einer optimalen Rezeptur die Herstellung einer 1-prozentigen Silber-ORC-Verbindung gehört. PROMOGRAN PRISMA® enthält im Vergleich zu PROMOGRAN® außerdem eine größere Menge Kollagen und ORC in der Wundauflage. Damit wird die Gesamtdichte des Produkts gesteigert und damit die Zeit für die Resorption von Kollagen und ORC in der Wunde verlängert. Dies ist von besonderer Bedeutung, da die Menge an Wundexsudat bei einer stark kontaminierten Wunde ebenfalls erhöht ist.


Wie werden die beiden Produkte hergestellt?
Beide Produkte werden durch die Produktion medizinischen Kollagens und oxidierter regenerierter Cellulose in einer flüssigen Suspension hergestellt. Bei PROMOGRAN PRISMA® werden bei diesem Schritt Silber-ORC Fasern hinzugegeben. Danach wird die Suspension eingefroren und unter Vakuum gesetzt. In diesem gefrorenen Zustand liegt Wasser in der Rezeptur in Form von Eiskristallen vor, die unter dem hohen Vakuum sublimieren (sich unmittelbar von einem Feststoff in ein Gas verwandeln). Auf diese Weise wird das Wasser allmählich aus dem gefrorenen Material entfernt. Wenn dies vollständig erfolgt ist, bleibt das restliche Kollagen/ORC als 3-D-Struktur zurück. Erst dieser Dehydrationsprozess (auch bekannt als Lyophilisation oder Gefriertrocknung) ermöglicht den Erhalt der strukturellen Eigenschaften dieser natürlichen Materialien und wird in vielen Bereichen der pharmazeutischen Industrie zur Herstellung hochgradig stabiler Arzneimittelrezepturen verwendet.

Die Produkte werden als ein Bogen mit einer Dicke von etwa 3 mm hergestellt, der in hexagonale Stücke geschnitten wird. Im Allgemeinen haben Wunden eine mehr runde Form, aber die Herstellung einer runden Wundauflage führt zu einer großen Menge Abfall während des Produktionsprozesses. Aus diesem Grund erhielt das Produkt eine hexagonale Form, die ein sich wiederholendes Muster ermöglicht, das den Verlust minimiert, und jedes Teil so weit als möglich an die runde Form anpasst.


Welche Rolle spielt Kollagen?
Der Name „Kollagen" ist vom griechischen Wort „kolla" abgeleitet und bedeutet Klebstoff. Auch wenn Kollagen bereits im Jahre 50 v. Chr. den Römern bekannt war, so wurde seine Struktur doch erst 1955 eindeutig definiert[5]. Erst in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde entdeckt, dass Kollagen eine Familie von Proteinen mit mindestens 28 Mitgliedern formt[6].

Heute wird Kollagen als wichtiges strukturelles Protein anerkannt, das bei allen Tieren vorkommt und zur Unterstützung und Verbindung von Körpergeweben und inneren Organen dient. Kollagen ist eines der am häufigsten im menschlichen Körper vorkommenden Proteine und macht bis zu 25 % der Gesamtproteine aus. Außerdem ist Kollagen ein wichtiger Bestandteil der Haut, der Knochen, Bänder, Muskeln und Knorpel7. Kollagen ist ein überaus wichtiges Protein mit einer Reihe einzigartiger physikalischer und biologischer Eigenschaften, die für die Funktionsfähigkeit von wesentlicher Bedeutung sind. Kollagen verfügt über eine hohe Zugfestigkeit und spielt eine wichtige Rolle bei der Gewebeheilung (Kästchen 1). Kollagen wird intensiv in vielen medizinischen Fachgebieten, einschließlich der Wundheilung, Hämostase, als Nahtmaterial, für künstliche Herzklappen und Arterien, zur Hernienkorrektur und der Weichgewebe-Vermehrung eingesetzt. Am häufigsten wird Kollagen Typ 1 verwendet, das aus der Haut (Tierhaut) oder aus Bändern isoliert werden kann.

Welche Rolle spielt ORC?
Cellulose ist ein natürlich vorkommendes Biomaterial, das in den meisten Pflanzen vorkommt und ungefähr ein Drittel des gesamten Pflanzenmaterials ausmacht. Damit ist es das am häufigsten auf der Erde vorkommende Biomaterial. In seiner natürlichen Form kann es vom Menschen nicht verdaut oder abgebaut werden und hat deshalb nur eine begrenzte Anwendungsmöglichkeit. Sobald es jedoch durch Oxidation chemisch verändert wurde, baut der Körper das Material schnell ab und absorbiert es[14]. Der regenerative Prozess produziert Fasern mit einheitlichem Durchmesser, die in reproduzierbarer Weise oxidieren. Dadurch entsteht ein Material mit gleichbleibenden physikalischen und chemischen Eigenschaften. ORC wird seit mehr als 50 Jahren klinisch eingesetzt und ist im allgemeinen bekannt als das bei Hämostatika verwendete Biomaterial[15].

Chemisch gehören sowohl Cellulose als auch ORC zur Klasse der Polysaccharide, aneinandergebundene Zuckermoleküle, die ein Polymer bilden. ORC besteht hauptsächlich aus Glukose und Glukuronsäure. Absorbieren ORC-Fasern Flüssigkeit, wie zum Beispiel eine Kochsalzlösung oder Wundexsudat, schwellen sie an, bilden ein Gel und zerfallen in ihre Grundsubstanzen (Zucker), die vollständig absorbiert werden können[16,17].

Mit Abbau von ORC wird Glukuronsäure freigesetzt, die eine pH-senkende Wirkung hat. Man vermutet, dass ein niedriger pH-Wert das bakterielle Wachstum hemmt und damit die Kontrolle des Bakterienwachstums unterstützt[18]. In vitro Studien haben nachgewiesen, dass ORC neben seinen hämostatischen und bakteriziden Eigenschaften auch die Zellmigration und das Zellwachstum anregen[19,20]. Außerdem konnte durch Studien belegt werden, dass ORC die Fähigkeit besitzt, den Proteasespiegel zu senken, insbesondere der humanen neutrophilen Elastase und der MMPs, sowie freie Radikale einzufangen und überzählige Metallionen zu binden[20,21].