Wounds International Vol 2 Issue 1Made EasysDas NPWT verfahren in der täglichen Praxis

Das NPWT verfahren in der täglichen Praxis

01/02/11 | Complex wounds | Henderson V, Timmons J, Hurd, T, Deroo K, Maloney S, Sabo S. Ausführliche Angaben zu den Autoren siehe Seite 6.

Das NPWT verfahren in der täglichen PraxisGerman language edition of NPWT in everyday practice made easy.

Einleitung
Das NPWT-Verfahren (Negative Pressure Wound Therapy), [eine Wundtherapie, die auf der Anwendung von Unterdruck beruht], gibt dem Kliniker eine wichtige Option für das fortschrittliche Management vieler Wundtypen an die Hand [1,2]. Wesentliche Faktoren für die erfolgreiche Anwendung dieses Verfahrens [Vakuumversiegelung] sind die angemessene Vorbereitung des Wundbettes sowie die Applikationstechnik. Außerdem muss über die Wahl des geeigneten Verbandes im Rahmen des NPWT-Verfahrens entschieden werden: derzeit kann zwischen Gaze [Baumwollträger] und Schaumstoff [Schwamm] gewählt werden[3]. Die vorliegende Arbeit baut auf dem Artikel „NPWT settings and dressing choices made easy"[3] (NPWT-Anwendungen und mögliche
Verbände - einfach erklärt) auf, wobei das Hauptaugenmerk auf den praktischen, alltäglichen Aspekten der sicheren und effektiven Anwendung des NPWT-Verfahrens und dem bestmöglichen Einsatz dieser Technologie sowie der
Maximierung des Patientennutzens liegt.

Wann ist das NPWT-Verfahren indiziert?
Die Unterdruck-Wundtherapie ist angezeigt für die Anwendung bei vielen akuten und chronischen Wunden[3] und besitzt das Potential, für eine größere Zahl von Patienten bezüglich des Symptom-Managements und der Wundheilungsperspektive von Nutzen zu sein. Kasten 1 gegenüber gibt einen Überblick über die Hauptvorteile der Therapie. Ein NPWT-Verfahren kann in Betracht gezogen werden, wenn die Wunde [4,5]:

  • nicht im erwarteten Zeitrahmen heilt, z.B. wenn sich die Wundränder unter der Standardversorgung nur langsam kontrahieren
  • übermäßig Exsudat (Wundflüssigkeit) produziert, das nurschwer zu handhaben ist
  • sich an einer schwierigen Stelle befindet oder von problematischer Größe ist, so dass ein effektiver

 

Wundverschluss mit herkömmlichen Verbänden nur schwer erreicht werden kann n erst in ihrer Größe reduziert werden muss, um sie chirurgisch schließen zu können. Das NPWT-Verfahren ist auch dann indiziert, wenn der Patient einen Verband bzw. eine Behandlungsregime benötigt, das sicher fixiert ist und nicht häufig gewechselt werden muss. Ein gutes Beispiel für diesen Anwendungsbereich sind Kinder mit Wunden, bei denen häufige Verbandswechsel traumatisierend sein können oder wo Verbände verrutschen [6,7]. Außerdem bietet das NPWT-Verfahren bei bestimmten Wundtypen und bei Hauttransplantaten einen Schienungseffekt (starre Unterstützung) [8,9].

Was muss vor der Anwendung des NPWTVerfahrens bedacht werden?
Vor der Applikation der Unterdruck-Wundtherapie muss eine umfassende Untersuchung der Wunde und des Patienten durch einen kompetenten und erfahrenen Arzt erfolgen, um zu ermitteln, ob das Verfahren in Frage kommt. Dabei sind folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • Werden sich die Beschwerden des Patienten durch das NPWTVerfahren besser behandeln lassen?
  • Wie sind die Wundabmessungen und ist das NPWT-Verfahren unkompliziert anwendbar?
  • Liegen Kontraindikationen vor (siehe Seite 4)?
  • Lassen sich Drainagen problemlos unterbringen?
  • Wird ein mit der Unterdruck-Wundtherapie versorgter Patient nach der Entlassung zuhause alleine damit zurechtkommen?
  • Kann vor der Applikation das Wundbett einem effektiven Debridement unterzogen und gut vorbereitet werden?
  • Ist der Patient bereit bzw. dazu in der Lage, sein Einverständnis zu erteilen (siehe Seite 4)?


Was sind die Ziele der Behandlung?
Für jeden Patienten sollte ein individueller Behandlungsplan erstellt werden, aus dem die kurz- und langfristigen Behandlungsziele und - erfolge hervorgehen. Kurzfristige Ziele können sein:

  • die Beherrschung des Wundexsudats
  • die Beherrschung des Wundgeruchs
  • die Schmerzreduktion
  • die Beseitigung von abgestorbenem Geweb
  • Infektionsprophylaxe.

Langfristige Ziele können sein:

  • die Verkleinerung des Wundbereichs
  • die Reduktion des Wundexsudatvolumens
  • die Produktion von gesundem Granulationsgewebe
  • ein Wundverschluss durch chirurgische Mittel oder durch Sekundärheilung
  • die Wiederherstellung der physikalischen Funktionsfähigkeit im Wundbereich.

 

Das NPWT verfahren in der täglichen Praxis